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Weiterbildungstag

Post-COVID 19 und suizidales Verhalten:
Welche Herausforderungen und Resilienz-Möglichkeiten?

Post-COVID 19 und suizidales Verhalten

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09.09.2021

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Präsentation der Vorträge und Workshops vom 9. September 2021

09:15 – 10:00 Vortrag von Bernard Schumacher:

Die Krise, Offenbarung einer Ethik der gemeinschaftlichen Abhängigkeit

Die Zeit der Krise ist eine Zeit der Offenbarung und der Anpassung an eine neue Dimension des Lebens und der Realität: die des Bewusstseins für die tiefe Verletzlichkeit des Menschen. Sie erlaubt ihm, sich von seinem unabhängigen und autonomen Selbst zu dezentrieren. Und sie erlaubt ihm, sich selbst vorrangig als ein Gemeinschaftssubjekt zu entdecken, wo die Beziehungen vorherrschen, die ihn präexistieren und konstituieren.

Bernard Schumacher ist Philosoph, Titularprofessor an der Universität Freiburg, wo er das Forschungs- und Lehrzentrum "Altern, Ethik und Recht" am Interdisziplinären Institut für Ethik und Menschenrechte leitet, dessen Koordinator er ist.


13:30 – 14:15 Vortrag von Annette Erlangsen:

Suizid bei älteren Erwachsenen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie

Ältere Erwachsene haben die höchsten Suizidraten aller Altersgruppen. Der Verlust des Ehepartners, Isolation und unerkannte Depressionen sind Faktoren, die mit einem erhöhten Suizidrisiko bei älteren Erwachsenen in Verbindung gebracht wurden. Dies sind auch Elemente, die in den Lockdown-Maßnahmen der COVID-19-Pandemie vorhanden sind. Angesichts der Tatsache, dass viele gefährdete ältere Erwachsene in Pflegeheimen leben, in denen sich COVID-19-Viren bekanntermaßen ausbreiten, wird angenommen, dass viele ältere Erwachsene mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen haben. In diesem Vortrag werden die vorhandenen Erkenntnisse über Risikofaktoren für Suizid sowie über wirksame Interventionen für ältere Erwachsene vorgestellt, mit dem Ziel, Hinweise darauf zu geben, wie wir ältere Erwachsene während und nacher der Pandemie am besten unterstützen können.

Annette Erlangsen ist Forscherin und Programmmanagerin am Danish Institute for Suicide Prevention Research in Dänemark. Derzeit ist sie Generalsekretärin der International Association for Suicide Prevention (IASP). Sie arbeitet zum Suizidrisiko bei sozial stigmatisierten und marginalisierten Gruppen, älteren Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen.


14:15 – 15:00 Vortrag von Carole Kapp:

COVID und Jugend, Auswirkungen und Unterstützung

Frau Doktor Kapp wird die zentrale Frage nach der Rolle der einzelnen Fachkräfte in der Suizidprävention der Jugendlichen behandeln. Wie sollen die Fachleute Jugendliche begleiten und unterstützen? Was sind derzeit die Haupthindernisse für dringende Erste Hilfe bei psychischen Erkrankungen? Sie wird die verschiedenen Schritte aufzeigen, um diese Hindernisse zu beseitigen und wie jeder sich in seiner Rolle als Akteur für die psychische Gesundheit junger Menschen zurechtfinden kann.

Carole Kapp ist Psychiaterin und Psychotherapeutin FMH für Kinder und Jugendliche. Sie arbeitet als Oberärztin und Leiterin der Abteilung für Spitalaufenthalte und Notfälle/Krisen am Universitätsspital für Kinder- und Jugendpsychiatrie des CHUV (Lausanne). Sie ist Vizepräsidentin der Groupe Romand Prévention Suicide und Mitglied des wissenschaftlichen Komitees der Weiterbildung "Faire face au risque suicidaire".


10:15 – 11:45 Vormittags-Workshops:

[A] Blaue Sirene: Realität und Unterstützungswege

Workshop unter Leitung von Florian Vial, Nadia Spicher, Gino Frangone, Carole Pidoux und Jessica Urech (zweisprachig)

Der Workshop befasst sich mit zwei Themen im Zusammenhang mit der Intervention der "Blaulichter": Zunächst wird ein Beispiel eines «Selbstmord»-Anrufs bei der kantonalen Polizeidirektion in Gruppenarbeit analysiert. Dann wird ein neues Phänomen in der Gruppenarbeit besprochen: digitaler Notruf oder Hilferuf in den sozialen Medien (Facebook).

Adj Florian VIAL ist Leiter der POLCARE-Zelle der Freiburger Kantonspolizei

Sgtm Nadia SPICHER ist Assistentin der POLCARE-Zelle der Freiburger Kantonspolizei

Sgt ats Gino FRANGONE ist im Dienst für Kommunikation und Prävention der Freiburger Kantonspolizei

Carole Pidoux und Jessica Urech arbeiten bei der Sarine Ambulance Service

[B] Gesundheits- und Sozialberufe in Zeiten der Pandemie: Herausforderungen und Austausch

Workshop unter Leitung von Christoph Salathé (französisch)

Dieser Workshop schlägt eine Diskussion über mögliche und sinnvolle Unterstützungsmaßnahmen während dieser Pandemie vor, basierend auf dem Beispiel der vom Kantonsspital während der ersten Welle der Pandemie angebotenen Unterstützung und auf der Literatur in diesem Bereich - mit Austausch von Erfahrungen aus anderen Ländern.

Dr. Christoph Salathé ist Facharzt für Innere Medizin (2003), für Psychiatrie und Psychotherapie (2011) und seit 2016 Konsiliar- und Liaisonpsychiater. Er lehrt an der Universität Freiburg und gibt Weiterbildungen im Rahmen des GRPS (Groupement Romand Prévention Suicide). Innerhalb des FNPG (Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit) leitet er den psychiatrischen Liaisondienst, den neuen "kantonalen psychiatrischen Notfalldienst" und einen stationären Kriseninterventionsdienst.

[C] Der Realität gelassener begegnen? Der Beitrag von Mindfulness (Achtsamkeit)

Workshop unter der Leitung von Virginie Salamin (französisch)

In diesem Workshop werden wir Ihnen in wenigen Worten und vor allem durch persönliche Erfahrung die Vorteile der "Achtsamkeits"-Meditation auf unser tägliches Leben vorstellen. Es handelt sich nicht um eine Entspannungs- oder Imagionationsmethode, die darauf abzielt, das Erlebte zu verändern oder zu vermeiden. Im Gegenteil, sie ermutigt uns, der Realität des gegenwärtigen Moments mit einer neuen Perspektive zu begegnen, auf die einfachste Art und Weise, mit Wohlwollen und ohne zu urteilen. Wir versuchen den Teilnehmern des Workshops einige einfach anzuwendende "Gewohnheiten" mitzugeben, um die eigene Haltung von Selbstschutz angesichts schwieriger beruflicher Situationen zu fördern.

Virginie Salamin Dr. phil., Psychologin FSP, Assistentin der Leiterin des Psychologischen Dienstes, beim Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit FNPG. Spezialistin für psychologische Notfallhilfe RNAPU/FSP und zertifizierte Ausbildnerin für achtsamkeitsbasierte Interventionen.

[D] Selbsthypnose und Resilienz

Workshop unter der Leitung von Daniel Taiana (französisch)

Die Hypnose ermöglicht eine Annäherung an das Bewusstsein, die Möglichkeit, Emotionen, Selbstwertgefühl, physische und psychische Schmerzen zu leiten. Dieser Workshop zielt darauf ab, einen bereichernden Moment zu erleben sowie einen einfachen, regenerierenden Weg dank der hypnotischen Trance zu entdecken. Einige Fakten über dieses Thema zu kennen, kann Sicherheit geben. Es geht auch darum, den Schlüssel zu finden, um die Türen zur eigenen Welt, zur Welt der Phantasie, zu öffnen, Freude zu finden und Ressourcen zu erhalten, die manchmal positiv sind. Nach dem Workshop sind Sie in Topform.

Daniel Taiana : «Während meines Lebens habe ich mich darin geübt, sowohl auf der Erde zu reisen als auch Bewusstseinsebenen zu entdecken; und ich habe festgestellt, dass die Felder des Bewusstseins größer sind als die Erde. Nachdem ich zwanzig Jahre lang im Krankenhaus von Malévoz als psychiatrischer Krankenpfleger gearbeitet habe, während derer ich mich in hypnotischen Techniken ausbilden ließ, bin ich seit zehn Jahren als selbständig psychiatrischer Krankenpfleger tätig und praktiziere Hypnose, Sophrologie und Meditation.»


15:30 – 17:00 Workshops am Nachmittag

[E] Wie können wir die Resilienz bei älteren Erwachsenen während der COVID-19-Pandemie unterstützen und verbessern?

Workshop unter der Leitung von Evelyne Torrents und Claude Bertelletto Küng (deutsch)

Ältere Erwachsene weisen eine hohe Suizidrate auf und sind zusätzlich zu einem abnehmenden Gesundheitszustand zunehmend widrigen Lebensereignissen ausgesetzt, wie dem Verlust des Ehepartners, von Freunden und funktionalen Fähigkeiten. Obwohl sich im Laufe der Zeit deutliche Verbesserungen ergeben haben, sind ältere Erwachsene immer noch das Alterssegment mit der geringsten Nutzung digitaler Medien, insbesondere bei den Hochbetagten. Die Abriegelung durch die COVID-19-Pandemie hat wahrscheinlich das Gefühl der Isolation und die Sorgen älterer Erwachsener verstärkt, insbesondere bei jenen, die verletzlich und auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Ebenso wird die Situation von Heimbewohnern während dieser Zeit mit denselben bzw. ähnlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen analysiert. Die Berücksichtigung dieser Faktoren ist relevant für die Überlegung, wie wir ältere Erwachsene, die gebrechlich und möglicherweise suizidgefährdet sind, am besten unterstützen können. Dieser Workshop konzentriert sich auf die Diskussion von Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz von gefährdeten älteren Erwachsenen in den verschiedenen Wohnformen (Pflegeheime, betreutes Wohnen, Privathaushalte mit oder ohne Betreuung).

Evelyne Torrents ist ausgebildete Krankenschwester und hat während ihrer gesamten beruflichen Laufbahn in der Pflege gearbeitet. Sie hat sich immer auf die Langzeitpflege von Menschen aller Altersgruppen konzentriert. Nach ihrem Arbeitsbeginn in einer grossen Altersinstitution in der Stadt Zürich arbeitete sie in einer Einrichtung für Menschen mit Aids und anschliessend in einem Abstinenz- und Präventionsumfeld im betreuten Wohnen. Sie hat sich schon immer für die Geriatrie interessiert. Seit 6 Jahren arbeitet sie als Pflegedienstleiterin im Altersheim Aergera in Giffers, einer kleinen Einrichtung, in der menschliche Beziehungen und privilegierte Kontakte mit den Bewohnern zu ihrem Alltag gehören.

Claude Bertelletto Küng ist ausgebildete Juristin. Seit dem 1. Januar 2021 ist sie Generalsekretärin der Vereinigung freiburger Alterseinrichtungen (VFA). Während der ersten und zweiten Covid-Welle war sie Leiterin des Einsatzstabs. So stand sie in Kontakt mit den verschiedenen, von der Krise stark betroffenen Umfeldern, wie dem HFR, dem FNPG und andern Institutionen. Diese Erfahrung ermöglichte es ihr, das Leid zu ermessen, das die Isolation verursachen kann. Sie ist auch auf das Management komplexer Projekte spezialisiert. In dieser Funktion begleitete sie verschiedene Institutionen des Gesundheitssektors bei der Überwachung der Humanressourcen und der Entwicklung von Strategien.

[F] Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten und der psychischen Gesundheit bei älteren Menschen während des COVID

Workshops unter der Leitung von Franco Masdea (französisch)

Der Workshop schlägt eine Diskussion rund um eine klinische Vignette eines Patienten vor, der in diesem Kontext hospitalisiert wurde, mit der Schlüssel-Frage: Welche Unterstützung kann angeboten werden?

Franco Masdea erwarb 1997 das eidgenössische Apothekerdiplom, 2004 das eidgenössische Medizindiplom, 2016 den FMH-Titel für Psychiatrie und 2017 den Facharzttitel für Psychogeriatrie. Er arbeitet seit 7 Jahren im Bereich der Alterspsychiatrie, wo er für die allgemeine Psychiatrie zuständig ist. Er ist vor 4 Jahren dem GPRS (Groupe Romand Prévention Suicide) beigetreten und beteiligt sich an verschiedenen Weiterbildungen im Kanton zur Suizidprävention.

[G] Wie kann uns die Philosophie helfen, weiter zu leben?

Workshop unter der Leitung von Lady Michielan (französisch)

Wille, Einsamkeit, gegenseitige Hilfe, Glück, Pflicht, Unwohlsein, Hoffnung... Das sind nur einige der Begriffe, mit denen sich verschiedene Philosophen zu ihrer Zeit auseinandergesetzt haben. Mit Hilfe von Texten und Zitaten werden wir kurz durch die Jahrhunderte gehen: Epikur, Aristoteles, Kant, Spinoza, Hannah Arendt... Und wir werden diese Begriffe nutzen, um unsere Diskussionen mit konkreten Fällen zu bereichern, die wir in der Zeit des Covids angetroffen haben. Wir werden von der Relevanz der Texte überrascht sein, die vor so langer Zeit geschrieben wurden.

Lady Michielan hat einen Master Advanced-Abschluss in Philosophie, Erkenntnistheorie und Ethik von der Universität Genf. Sie ist die Gründerin von Espace Existence (www.espaceexistence.ch), einem Raum der Rede, der Reflexion und des Dialogs, der aus der Philosophie heraus für Menschen aus allen Lebensbereichen konzipiert und geschaffen wurde. Sie arbeitet seit Jahren daran, die Philosophie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

[H] Wie kann man Menschen mit psychischen Problemen unterstützen?

Workshop unter der Leitung von Blaise Rochat und Michelle Constantin (französisch)

Der Workshop bietet einen Austausch und eine Diskussion rund um die folgenden Fragestellungen: Wie haben sich Menschen, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind, an die aus der COVID-19-Pandemie resultierenden Restriktionen angepasst? Welche Wege / Strategien können genutzt werden, um die Betroffenen zu unterstützen? Was für Stressfaktoren und Anpassungen gibt es? Was sind die Konsequenzen für die Zukunft?

Blaise Rochat ist Peer-Helfer im Bereich psychische Gesundheit und Lehrer im Gesundheitsbereich. Er ist Vizepräsident der Freiburgischen Interessengemeinschaft für Sozialpsychiatrie (französisch: AFAAP), Mitglied des Vorstands der Coordination Romande des Associations d'Action pour la Santé Psychique (CORAASP), sowie Mitglied der Ethikkommission des Freiburger Netzwerks für psychische Gesundheit (FNPG).

Michelle Constantin hat einen Master-Abschluss in Sozialarbeit und Sozialpolitik der Universität Freiburg und einen DAS in Management von sozialen Einrichtungen. Seit 2010 ist sie die Direktorin von Les Traversées. Der Verein Les Traversées bietet Menschen, die insbesondere aufgrund ihrer psychischen Probleme Schwierigkeiten haben, allein zu leben, Begleitung und Wohnraum an und wendet in ihrer Organisation das Prinzip der partizipativen Dynamik an.

[I] Wie kann man junge Menschen unterstützen, die durch die Pandemie gefährdet sind?

Workshop unter der Leitung von Dr. Eric Parrot (französisch)

Der Workshop wird sich mit den Folgen der Pandemie auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen befassen, insbesondere in Bezug auf die Tatsache, dass sie nicht mit Gleichaltrigen zusammen sein können und sich in einem "konstanten" Familienkontext befinden. Er wird sich auch mit den Fragen der Grenzen, der Überschreitung von Regeln und des Rahmens beschäftigen. Auch die psychischen Folgen (Angst, Depression, Suizidgedanken und Verhaltensstörungen) werden besprochen. Schließlich wird der Workshop einige Perspektiven für die Rolle der Unterstützung bieten, die jeder Intervenierende und Fachmann mit jungen Menschen anwenden kann.

Seit September 2020 ist Eric Parrot Oberarzt im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie innerhalb der FNPG (Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit). Zuvor arbeitete er im stationären Bereich mit Jugendlichen in verschiedenen Einrichtungen in Frankreich und Übersee.