Schützende Faktoren

Suizidale Handlungen werden oft in speziellen Krisensituationen begangen. Andererseits reagiert in einer Krise nur ein kleiner Teil der Betroffenen suizidal, während die grosse Mehrheit in der Lage ist, solche «Schicksalsschläge» zu verarbeiten. Dies hängt mit sogenannt schützenden Faktoren zusammen, also Faktoren, die einen Menschen bei einer Krise stabilisieren.

Die ACE (Adverse Childhood Experiences)-Forscher haben solche Schutzfaktoren für die frühe Kindheit (die für das ganze Leben Geltung behalten) zusammengestellt:

  1. Dauerhaft gute Beziehung zu mindestens einer primären Bezugsperson
  2. Grossfamilie, kompensatorische Elternbeziehungen, Entlastung der Mutter
  3. Gutes Ersatzmilieu nach frühem Mutterverlust
  4. Überdurchschnittliche Intelligenz
  5. Robustes, aktives und kontaktfreudiges Temperament
  6. Sicheres Bindungsverhalten
  7. Soziale Förderung (z.B. Jugendgruppen, Schule, Kirche)
  8. Verlässlich unterstützende Bezugsperson(en) im Erwachsenenalter
  9. Lebenszeitlich späteres Eingehen «schwer auflösbarer Bindungen»

Die Auflistung stammt von U. T. Eggle, aus: U. T. Eggle, S. O. Hoffmann: «Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung», Stuttgart, New York (1997).

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt ihrerseits sieben Grundbedingungen für die seelische Gesundheit:

  1. Stabiles Selbstwertgefühl
  2. Positives Verhältnis zum eigenen Körper
  3. Freundschaft und soziale Beziehungen
  4. Intaktes Umfeld
  5. Gesundheitswissen und Zugang zur Gesundheitsvorsorge
  6. Lebenswerte Gegenwart
  7. Begründete Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft